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 Modern Times

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Kaela Khan
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BeitragThema: Modern Times   So 24 Aug 2014, 02:07

Das Schöne an... heute ist es, daß man nicht mehr auf Scheiterhaufen gezerrt wird, nur weil man anders aussieht. Nun gut, es kommt schon drauf an, wo man gerade so ist. Im Bible Belt zum Beispiel ist Elaine sich da nicht so ganz sicher... Aber sie hat sich angewöhnt, das zu tun, was man von ihr erwartet, sie trägt also Dark-Wave- oder Gothic-Klamotten mit leichtem Industrial-Einschlag (weil sie es kann - und weil ihr das taugt). Elaine ist ein Herbstkind. Sie mag den Herbst. Im alten Fenster ihres Hauses hocken - so ein altes mit sechs Scheiben und einer breiten, weißgestrichenen Holzfensterbank - und raus in den ungemähten Herbstgarten gucken. Oder mal wenn es draußen regnet durch die rotgoldenen Ahorn- und Platanenalleen gehen. Kopfsteinpflaster, Schmiedeeisenzäune und Häuser aus den 20ern... okay - vielleicht ist Elaine doch ein ganz kleines bisschen ein Vampir. Bisschen - schönes Wortspiel. Viele Leute in den Gothkneipen sind hin und weg von dem großen, schwarzgekleideten Mädchen mit dem eisig-schroffen Äußeren. Passt zum Style. Genau wie ihre Eckzähne. Sorgt aber auch dafür, daß Elaine ihre nettesten Sprüche aufbewahren muss, um sie zwischen sich und aufdringliche Verehrer zu knallen. Es gibt aber tatsächlich auch ein paar Leute, die Elaine wirklich schätzt - und sie überlegt, wie sie ihnen das am besten sagen kann - ohne daß es dämlich oder rührselig klingt.  
Und wenn sie raus in die Wildnis muss, trägt sie mittelalterlich anmutende Ledersachen - denn wenn man sie darin erwischt - denkt man gleich, daß sie so eine LifeCon-Spinnerin ist, die aber ziemlich gut eine Elfe darstellen kann. Das Schöne daran ist, daß sich Elaine´s Alter dank ihres glatten, regungslos erscheinenden Gesichts nur schwer einschätzen lässt.



Erstaunlich ist für Elaine selber, daß sie all diesem Krams sogar etwas abgewinnen kann. Und da sie tatsächlich Ahnung im Umgang mit riesigen Schwertern hat wird sie gerne mal von der jeweiligen Spielleitung losgeschickt, um Typen zusammenfallen zu lassen, die es übertreiben - zwar nur mit solchen Xena-like-Gummischwertern, aber immerhin. Man ist bei der SL und der Orga im Kreis Maine der Auffassung, daß eine Abreibung von der gertenschlanken Elfe (und ihre furztrockenen Kommentare) genug Mahnung ist, zukünftig etwas kürzer zu treten und den anderen Conteilnehmern nicht mehr den Spaß zu versauen.
Was eben so schön ist, daß Elaine nicht pingelig ist. Sie friert nicht so schnell. In ihrem Con-Zeit findet man keine Heizung oder sonstwas in der Art. Früher pennte sie einfach so im Wald. Da ist das schon Luxus genug. Die Jugend von heute kann nichts mehr ab. Alles Weicheier. Und nicht wenige sind erstaunt, wenn Elaine nach dem Ende eines Cons nur die Ohrspitzen abnimmt: "Was jetzt - kein Abschminken?"
"Was meinst Du?"
"Du willst mir jetzt nicht erzählen, Du siehst wirklich so aus?"
"Ich nicht - aber mein Pass. Was dagegen?" hält Elaine ihnen dann den Ausweis entgegen - sie kennt das schon. Und sie müsste lügen, wenn sie behaupten würde, die langen Gesichter danach fämde sie nicht witzig.
Amerika ist wunderbar - hier kann man alles kaufen. Und mit ihren Keyboardsachen kann sie tatsächlich etwas Geld nebenher machen. Das benötigt sie um ihren Wagen in Schuss zu halten - und ihr... Arbeitsmaterial in Schuss zu halten.
Schuss - nettes Wortspiel, by the Way...
Ihr Wagen, ein dunkelblauer alter Cadillac Seville mit Hooper-Heck aus den frühen 80ern (etwas, das eher britisch-nobel als amerikanisch-protzig wirkt), wurde von ihr mit Kevlarmatten und Verbundstahlplatten aufgemotzt - was einfach war, weil der Wagen verflucht eckig ist. Sicherheitsscheiben und Runflat-Tires runden das Erscheinungsbild ab. Elaine ist hinsichtlich der Tatsache, daß alle Welt - nicht nur die übernatürliche - voller Psychopathen und schießwütiger Spinner ist, etwas paranoid geworden. Das hat seinen Ursprung in der Geschichte ihres Meisters - der einem Orden angehörte, der plötzlich verfolgt und ausgerottet wurde. Nur in Schottland gab es dann noch Templer. Und hier in den U.S.A. - dem Land der beschränkten Unmöglichkeiten, wo das Umlegen von Leuten mittels Schußwaffe zum `American Way of Life´ praktisch dazugehört - will Elaine dem nicht nachstehen. Waffen bekommt man hier überall, man kriegt sie erstaunlich billig - und so hat Elaine ihr Auto und ihr Haus damit bestückt, daß es kracht. Auch sie selber hat immer mindestens zwei Knarren dabei - und zwei Messer. Sowie eine Edelstahl-Kreditkarte zum Aufmachen von zugezogenen Türen, ein Leatherman, einen Satz Dietriche - und eine Kreditkarte, die ein keramischer Karambit-Faltdolch ist. In dieser Hinsicht ist Elaine das, was man einen `Prepper´ nennt. Irgendwann kommt der große Knall. Und sie... will mitknallen. Und sie wird gut darin sein...

Und hier ein typisches Stück, wie Elaine es spielen würde:

http://www.youtube.com/watch?v=xpMNXEY_tio

Denn wer Keyboard spielen kann, der kann rudimentär auch Klavier, Spinett, Cembalo und Orgel spielen.
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Kaela Khan
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BeitragThema: Re: Modern Times   So 24 Aug 2014, 18:01

28021954, Pazifik

Fliegen können ist praktisch. Und wenn man sich lange in der Sonne aufhält - wird man braun. So hatte Elaine eigentlich kein Problem, sich als einheimische Polynesierin zu tarnen, nachdem sie ihre Haare gefärbt hatte. Irgendein Gefühl hatte sie hierhergeleitet, wo sie... etwas verifizieren sollte. Aus nächster Hand. Hier auf dem Eniwetok-Atoll hatte sich ein ganzer Haufen Amerikaner breitgemacht, die emsig irgendwelche Dinge zusammenbauten. Zement wurde rangeschafft, ein großes, schwarzes Gebäude hochgezogen, das makabererweise ein wenig an die Kaaba erinnerte.
Elaine selber hatte es geschafft in den Kantinen als zivile Angestellte unterzukommen. Die schweigsame und sehnig-elegante Polynesierin mit dem leicht abweisend wirkenden Gesicht, die zumeist Jeans und einen dieser neumodischen Bikinis trug (wegen dem notfalls freien Rücken) gab einigen der Soldaten und Wissenschaftler Rätsel auf. Haben sie den Polynesiern auf den Nachbarinseln nicht tolle, neue Häuser gebaut? Was hatte sie nur?
Oder... ahnte dieses Mädchen etwas, das ihnen bisher entging?
Nachdem der Zweite Weltkrieg vorbei war, hatte sich das Führen von großen Kriegen für immer und grundlegend verändert. Elaine wusste, daß es Wesenheiten gab, denen Kriege sehr zupass kamen - hier konnten sie sich nach Herzenslust austoben, ohne daß es weiter auffiel. Aber nun hatten die Russen und die Amerikaner sich irgendwie zu einem Chicken Race verabredet, bei dem weder ein Unentschieden noch ein zweiter Platz zählen würden. Und als würden Uran und Plutonium nicht ausreichen - hatten sie sich nun mit Lithiumdeuterid beschäftigt. Atomwaffen hatten... Sex-Appeal in diesen Tagen. Je mehr Boom, desto mehr Boobs.
Wie dem auch sei - auf der U.S.S. Curtiss hatte sie einen Platz in der Kombüse ergattert und somit auch die Ehre, diverse Offiziere und Wissenschaftler mit Erfrischungen zu versorgen - hier war es immerhin sehr warm.
Und es sollte noch sehr viel wärmer werden.
Trotz des eingehaltenen Sicherheitsabstandes von 37 Kilometern weitete sich die Flutwelle und die Druckwelle gefährlich kraftvoll immer weiter aus - die Hitze war immens und das Schiff wurde auf der dem donnernd und glosend in den Himmel wuchernden Explosionspilz zugewandten Seite leicht ausgebleicht. Man konnte trotz Schutzbrille... die Knochen seiner schützend erhobenen Hände sehen. Und das durch die geschlossenen Augenlider.
Zwei Wissenschaftler und ein Offizier wurden, von schierem Terror geschüttelt, wahnsinnig - sie krabbelten auf allen Vieren an der ungerührten Polynesierin mit ihrem stoisch festgehaltenen Getränketablett vorbei und kauerten sich in eine Ecke der Brücke - wo sie erst einmal damit beschäftigt waren, sich einzunässen.
Elaine drehte den Kopf und sagte in ihrer emotionslosen Art: "Glückwunsch - es ist ein `Junge´, so sagen Sie doch? Und sehen Sie nur, was für ein prachtvoller Bursche es ist. Und war es nicht genau das, was Sie wollten?"
Diejenigen, die nicht die sich immer noch ausbreitende, düstere Explosion beobachteten, sahen Elaine erstaunt an, als sie das Tablett auf dem Kartentisch des schwer schaukelnden Schiffes abstellte: "Noch mehr von Ihrer `Kultur des technologischen Fortschrittes´ und diese Erde wird sehr schnell sehr leer werden."
Dann ging sie von der Brücke - und das war das letzte Mal, daß jemand diese Polynesierin gesehen hatte.

Und es gibt immer noch Atomwaffen auf der Welt - zwar nicht mehr so viele wie 1987, aber es reicht immer noch aus, um die Erde mehrmals von allen Humanoiden zu befreien. Manchmal fragte Elaine sich, ob erstens nicht einige Dämonen dabei waren, als man diese Dinger erfand - und zweitens wenn nicht, was an Menschen eigentlich so großartig Bewahrenswertes zu finden sein soll. Aber wie ihr Meister schon sagte: Die Wege des Herrn sind unergründlich.

VIelleicht aber... hat er auch nur eine blöde Wette am laufen.
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Kaela Khan
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BeitragThema: Understatement   Di 26 Aug 2014, 02:09

Elaine hatte schnell begriffen, worauf es in den U.S.A. ankam - alles, was man so hatte und besaß musste möglichst groß, aufwändig und teuer sein. Seltsamerweise galt das für die meisten amerikanischen Autos nicht. Die sind zwar eindrucksvoll - aber erstaunlich preisgünstig. So stand Elaine eines Tages vor einem Wagen der zum Verkauf stand - und musste lachen. Zwei Tage vorher hatte sie einen kleinen Disput mit einem Gebrauchwagenhändler, dem sie den Unterschied zwischen britischen und amerikanischen Wagen klarmachen musste: "Sie kennen den Unterschied zwischen einem Cadillac und einem Jaguar?"
"Keine Ahnung - aber ich denke..." begann der Händler und Elaine sagte leise, aber deutlich: "Style. Und vier Zylinder."
Innerlich kochte sie vor Wut - wie kann dieser Gnom es wagen, für einen Cadillac ernsthaft mehr zu verlangen, als für einen Jaguar? Da würde sie ihren zukündtigen Wagen jedenfalls schon mal nicht kaufen. Und nun kam sie zu einem anderen Händler, der zwar keine britische Ware hatte - dafür aber einen Cadillac der gut in Schuß war und sehr, sehr... britisch aussah.



So kam eine ungewöhnlich gut gelaunte Elaine für nur 5500$ zu ihrem ungewöhnlich britischen Amischlitten. Und wo wir gerade bei `Schlitten´ sind: Amerika ist und bleibt Revolverland. Ein für Elaine unhaltbarer Zustand. Das muss mit der Geschichte dieses Landes zu tun haben - sie vermutet, daß es keinen anderen plausiblen Grund gibt. Sie braucht riesige Handfeuerwaffen, da sie manchmal Klienten hat die... riesige Probleme machen können. Und die Amerikaner kopieren in Pasadena fröhlich die Desert Eagle vor sich hin und tun gerade so, als hätten SIE sie erfunden - und nicht die Israelis. Automag... wäre eine gute Wahl - leider gibt´s diese Firma nicht mehr und diese Dinger sind, wenn man sie mal findet, schweineteuer. Was tun - sprach Zeus, die Götter sind besoffen, der Himmel ist blau - und der Olymp ist zugekotzt...
Nachdem sich Elaine doch noch dazu breit hat schlagen lassen, diverse alte Polizeiwaffen der Bauart Colt Python günstig abzugreifen, fand sie im Schaufenster eines Büchsenmachers etwas Ungewöhnliches... Etwas, das sie aus der britischen Geschichte her kannte.
Zu Zeiten der Kolonien hatte man als britischer Offizier im Nahen Osten seine liebe Not mit den Derwischen und den Thuggees. Diese Kerle waren dermaßen radikal und fanatisch, daß man mehrmals auf ihnen rumschießen musste, damit sie begriffen, daß sie wenn nicht verwundet, sogar vielleicht schon tot waren. Aber man hatte eine gute Idee: Viel... hilft viel. Gerade rechtzeitig, als die Technologie der Halbautomatik hoffähig wurde, tauchte das Ordonnanzkaliber .577AE auf - very british. Und hier in diesem Laden hatte Elaine etwas entdeckt, das... einer dieser großen Webley&Scott-Pistolen irgendwie bemerkenswert ähnlich sah... Elaine setzte ihre altmodische, runde Lesebrille auf und musterte das Exponat, bei dem ausgefallen designte, reinweiße Schießhandschuhe lagen, genau. Das Griffstück war technisch gesehen tatsächlich 1:1 von einer .577er Webley&Scott übernommen worden. Der massive, gut zehn Zoll lange Schlitten, der den riesigen Lauf umschloss aber war... nicht serienmäßig. Aber da hat sich einer sehr, sehr viel Mühe gegeben. Blankpoliert, mitternachtsfarben brüniert und eine seltsame, weiß ausgelegte Gravur. Eine wirklich ehrfurchtgebietende Halbautomatik. Damit hatte es bestimmt etwas auf sich. Elaine beschloss, den Laden zu betreten...



Geoff Darrow, 33jähriger Büchsenmacher, jung geblieben und ein großer Fan von allen möglichen ausgefallenen Zeichentrickserien und Actionstreifen, sah von seiner Arbeit auf - und traute seinen Augen nicht. Vor dem Geschäft stand eine... britische Staatskarosse, so schien es und vor ihm selber stand... eine britische Staatsfrau, so schien es. Und sogar eine, die ihm... bekannt vorkam. Ein maßgeschneiderter, taillierter Nadelstreifenanzug floss faltenfrei um eine hochgewachsene Gestalt, die von einem dunklen Militärmantel halb verhüllt wurde. Und das Gesicht... Eine runde Nickelbrille leuchtete von Zeit zu Zeit in der Deckenbeleuchtung auf und dominierte ein Gesicht, das von ewig langen, fahllblonden Haaren umrahmt wurde. Sogar den Tonfall der Stimme hatte er schon erahnt, als die Frau fragte: "Guten Tag... mich würde interessieren, was es mit der stark modifizierten Webley&Scott im Schaufenster auf sich hat. Ist sie... funktionstüchtig?"
"Irgendwioe hatte ich geahnt, daß Sie nach dieser Waffe fragen würden!" strahlte der junge Mann die Frau an.
"Das... ist ja sehr schön. Zurück zur Frage: Kann man damit schießen?" wollte Elaine immer noch wissen.
"Oh ja - und das sogar sehr gut und sehr genau!" erklärte Geoff und holte die Waffe aus der Auslage: "Sie ist allerdings sehr vorderlastig und schwer - allerdings verreißt sie durch ihr Gewicht kaum - auch, wenn sie solche .577er-Riesnepillen verballert."
Mit gesteigertem Interesse nahm Elaine die über 40 cm lange Waffe entgegen und wog den klobigen, angenehm schweren Griff in ihrer Hand. Geoff war hin und weg, als er erklärte: "Das gesamte Konstrukt wurde aus derselben Sorte Stahl gefertigt, aus der die alte Baureihe der CZ-75 gefertigt wurde."
"Gut zu wissen. Hart, abriebsarm und rostträge." hielt Elaine die Waffe probeweise in einer Hand - was den Büchsenmacher vor Begeisterung beinahe platzen ließ. Die hatte Ahnung von dem, worüber er sprach! Dies steigerte sich noch, als er sie aus der Nähe musterte - ihre Bluse hatte tatsächlich einen Stehkragen und sie trug eine massive Halskette mit einem ebenso massiven, silbernen Keltenkreuz. Lässig ließ sie die Waffe sinken und sagte: "Die ist gekauft. Nebst den seltsamen Handschuhen - sie gefallen mir irgendwie. Und die möglicherweise vorhandenen Magazine und die gesamte Munition, die Sie dafür zweifellos hergestellt haben."
"Sie wollen tatsächlich damit schießen?" staunte der Büchsenmacher und Elaine hob eine Braue: "Wozu sonst ist eine Waffe da?"
Die Rechnung hatte es zwar in sich - aber das war Elaine der Spaß wert. Sie nahm eine der ausliegenden Visitenkarten an sich, gab dem äußerst talentierten Mann ihre Telefonnummer und verabschiedete sich: "Ich denke, Sie werden mich auch in Zukunft angenehm überraschen. Wir bleiben in Verbindung."
Und als diese Frau den Büchsenmacherladen verlassen hatte - stand Geoff baff in seinem Geschäft und dachte sich: `Zuallererst einmnal hat sie MICH überrascht - und zwar so richtig!"
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BeitragThema: Re: Modern Times   Sa 30 Aug 2014, 02:19

Mississippi-Delta, 1863

Der sieben Tonne schwere DIKTATOR-Mörser auf seiner sechsrädrigen Eisenbahnlore feuerte in der Ferne, während Elaine diese blonde Frau beobachtete, die im Lazarett Schwerstverwundete behandelte. Der Sezessionskrieg war in vollem Gange - der erste `moderne´ Krieg, der alles zu bieten hatte: Scharfschützengewehre mit Zielfernrohren, Maschinengewehre, explosive Kanonenprojektile, Panzerkreuzer, sogar U-Boote... Und das simpelste, aber effektivste Utensil - das Minié-Geschoss für Handfeuerwaffen. Dieses Projektil, abgefeuert aus gezogenen Läufen resultierte in einer nie dagewesenen Zielgenauigkeit. Und in nie dagewesenen Gefallenen- und Verwundetenzahlen.
Die Blondine mit der blauen Seidenschleife im Haar tauchte nur nachts auf. Das alleine kam der sehnigen Waldläuferin in ihren graubraunen Lederklamotten schon seltsam genug vor. Und die Erfolge dieser `Nachtschwester´ sprachen für sich - nachdem die Verbände nach etwa vierzehn Tagen abgenommen wurden, waren die behandelten Männer wie neu. Knieschüsse? Kein Problem. Kiefertreffer? Augenverletzungen? Sicher, nach dem Krimkrieg hatte sich in der Behandlung verletzter Soldaten viel getan - aber das hier... war unnatürlich.
Doch die blonde Frau war sich sehr wohl bewusst, daß die Waldläuferin ihr gegenüber sehr skeptisch war. Diese Enielle Duval hatte einen niedlichen französischen Dialekt - möglicherweise kam sie aus der Gegend um New Orleans - oder sie kam sogar direkt aus Europa.
In einem der provisorischen Saloons, die aus Zelten und Brettern in der Etappe gebaut worden waren sahen sich die beiden oft - und ein aufmerksamer Beobachter konnte sehen, daß die zwei sich an ihren Tischen regelrecht belauerten und wohl darüber nachdachten, was sie vom jeweils Anderen zu halten hätten.
Eines Abends bemerkte Enielle mal wieder, daß die Trapperin ihr folgte - und lächelte: "Ich muss wirklich faszinierend auf Dich wirken, n´est pas?"
Die blondgelockte Frau in dem weißgrauen Arbeitskleid sah sich neugierig zu der Waldläuferin um. Elaine erwiderte: "Verdächtig trifft´s eher, würde ich sagen."
"Sowas... warum dies?" sah Enielle sie erstaunt mit ihren saphirblauen Augen an.
"Punkt Eins: Du tauchst nur Nachts aus irgendeiner Versenkung auf. Zweitens: Du bist gespenstisch gut in Deinem Job. Und Drittens..." musterte Elaine die ebenmäßige Frau genau: "Du bist zu schön, um wahr zu sein."
Enielle kicherte niedlich: "Und was bist dann Du?"
"Ich... bin zu wahr, um schön zu sein." geb Elaine bereitwillig Auskunft. Ihre schrögstehenden Augen ließen die Blondine keine Sekunde unbeobachtet, als sie mutmaßte: "Müsste ich raten, würde ich Dich als eine Art Nospherat einschätzen - auch, wenn Du offenbar... essen kannst. Möglicherweise deckst Du Dich hier mit OP-Resten ein?"
Kristallklar hallte Enielle´s Lachen durch den Ahornwald: "Nur keine Sorge - so eine bin ich nicht..."
"Aber ich bin so eine." schlug ein dunkler Schemen neben Enielle auf dem Boden auf. Und eine schwarzhaarige Frau mit einer ungewöhnlichen Frisur richtete sich auf - ganz in dunkelgrau gekleidet. In den Händen hielt diese Frau zwei schwere LeMat-Revolver, die aber lässig nach unten hingen. Und sie beobachtete Elaine mit ihren silbergrauen Wolfsaugen: "Und keine Ahnung, was für eine Du bist - aber lass besser die Griffel von meiner..."
"...Schwester? Ihr... riecht ähnlich." mutmaßte Elaine mal so.
Diane stutzte, während Elaine bemerkte, daß sich nichts mehr im Wald regte. Sogar die Viecher hielten sich bedeckt. Sprach für... Macht. Sehr viel davon. Interessant. Das fand auch Diane. Diese Frau vor ihr - in den legeren Lederklamotten mit den Fransen, eine Volcanic-Repetierpistole im Gürtel und zwei Colt Dragoons an den Hüften. Hochgewachsen, mit ewig langen, fahlblonden Haaren und einem ungewöhnlichen Gesicht... Sprach sie, konnte Diane ein kräftiges Gebiss wahrnehmen... sie sprach von Geruch... war das ein Werwesen? Eine sehr interessante Person. Und sie stand so lässig und ungerührt da vor ihr, daß Diane ein wenig sauer wurde. So fragte sie: "Und was genau willst Du nun von uns?"
"Ich beobachte nur - zum Krieg führen haben wir hier momentan genug andere, die sind da ganz wild drauf." antwortete Elaine ruhig.
"Was ist daran so interessant? Enielle ist hier, weil sie helfen will - und ich passe auf, daß sie nicht geklaut wird." erklärte Diane. Dann lächelte sie: "Das einzig wirklich Interessante bist Du. Was zum Henker bist Du?"
Und nun lächelte Elaine: "Da kommst Du nie drauf... Und hätte man es mir nicht erklärt - würde ich es auch nicht glauben."
"Dann lass´ mal hören!" sprang Diane auf sie zu - und wurde Sekundenbruchteile danach von einem ungeheuer starken Windstoß wieder zurückgeblasen, um neben der erstaunten Enielle im Laub zu landen. Und dann staunten die beiden Nospheraten nicht schlecht - diese Frau... hatte nachtschwarze Flügel. Wie die von einem überdimensionalen Kolkraben, aber mit Armschwingenfedern die in Richtung des Körpers ziemlich lang wurden. Von Weitem also hatte sie den Umriss eines düsteren, fransigen... Segelfalters, könnte man sagen. Diane schätzte die Spannweite auf etwa... sechs bis sieben Meter. Sie stand auf und starrte Elaine an: "Du willst mir sagen, daß Du ein... Engel bist?!"
"Sorry - nichts mit strahlend weiß und Harfe spielen..." sagte Elaine leise und Diane lachte herzhaft: "Du bist der ungewöhnlichste Engel, den ich jemals sah! Das steht schon mal fest!"
"Das höre ich oft." erwiderte Elaine resignierend und Enielle meinte leise: "Das ist irgendwie... unheimlich."
"Ach, was... Komm schon! ich finde sie klasse - solche Engel lass´ ich mir gefallen!" grinste Diane breit und wandte sich wieder zu Elaine: "Ich habe beschlossen, Dich zu mögen."
"Da hab´ ich ja Glück gehabt." erwiderte Elaine und Diane packte sie am Handgelenk: "So - und nun fix ab wieder in den Saloon - ich könnt´ was Whiskey vertragen..."
"Nun, DAS ist ungewöhnlich." gab Elaine zu und Enielle lächelte: "Dann passen wir drei ja gut zusammen."
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BeitragThema: Re: Modern Times   Do 04 Sep 2014, 16:06

Absolute Erniedrigung

...als Maßnahme zur Abhärtung - nichts, was der ungewöhnlich aussehenden Frau nicht schon widerfahren wäre - Schandgeigen, Pranger... egal, wann wo was geklaut worden war - Elaine war perfekt als Buhmann geeignet. Das Einzige, was all die eifrigen `Rechtsvertreter´ an Elaine ärgerte ist, daß sie sich niemals erlaubte eine Regung zuzulassen.
Selbst auf einem alten `Knastschiff´ eingesperrt zu sein hat sie nicht sehr interessiert - oder das Auspeitschen - allerdings hat sich Elaine nicht den Spaß nehmen lassen, nachher fleißig zurückzupeitschen.
Das Prinzip war simpel - man nehme ein altes, weit draußen auf Reede liegendes Schiff - möglichst groß - entferne Ruder, Masten und alles, was zum bewegen eines Schiffes notwendig ist und arretiere es mit vier schweren Ankern. Und schon kann man auf Beibooten haufenweise ungeliebtes Gesocks auf diesem Schiff einpferchen. Sehr effektiv - vorausgesetzt, keiner der Eingesperrten kann... fliegen.
Das Schlimmste, was Elaine je erlebt hatte war das `Loch´. Und das Loch ist genau das - ein Loch. Dieses schmale Loch ist der einzige Weg in ein knapp fünfeinhalb Meter tiefes, flaschenförmig gemauertes Etwas, das sich direkt unter den finstersten Verliesen einer Burg befindet. Und in dieses Loch wird alles hineinverfrachtet, was man in den schicken Verliesen nicht haben will: Fauliges Stroh, Essensreste, die Hinterlassenschaften von Gefangenen, tote Gefangene - und deren Reste - das Loch ist der finstere, fungizide, pestilenzialische und klaustrophobische Eingang zur Hölle.
Elaine wurde da unten fast vergessen. Also hielt sie eine Form von Winterschlaf - für ein Dreivierteljahr. Das härtet ab.
Sie musste wieder daran denken, als sie in London miterlebte, wie in der Mitte der 1850er die GREAT EASTERN von Thames Ironworks an den Ufern der Themse Gestalt annahm. Das bei Weitem größte Schiff seiner Zeit. Ein 211 Meter langer Stahlriese, der doppelwandig war - und über den die Arbeiter scherzten, daß man in den 80 cm zwischen den Wänden beim Einnieten direkt vergessen werden könnte. Eine tolle Idee - Elaine wusste, wer sie in das Loch hat verfrachten lassen -. und obwohl das damals schon fast 300 Jahre her war - Elaine hat ein Gedächtnis wie ein Elefant. Sie kann vielleicht vergeben - aber vergessen fällt aus. Und im Fall mit dem Loch - hat sie mal eben ein paar Pfund Sterling springen lassen. Ihr `Liebling´ wurde unter den Kesseln untergebracht - da würde er es warm haben. Über ihm brüllt das Kohlefeuer - unter ihm ist der bodenlose Ozean. Und es sollte beinahe 30 Jahre dauern, bis ihr Opfer beim Abwracken des sechsmastigen Raddampfers schließlich entdeckt worden ist - trockengeblasen und mumifiziert. Und was die Arbeiter damals wohl kaum ahnten, Elaine aber wusste: Das Ding lebte sogar noch. Aber dafür gab es einen schicken Vorschlaghammer, eine große Kaffeemühle - und die Tauben im Hyde Park. `Unsterblicher Dämon´? Soso... Kein Problem - wenn man weiß, mit wem man´s machen kann. Und immer, wenn Elaine mal Zeit hat geht sie durch den Hyde Park. Und denkt an die guten, alten Zeiten zurück...
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BeitragThema: Good Girls go to Heaven...   So 07 Sep 2014, 03:04

Diane konnte es nicht fassen. Seit Megara von diesem Daytona-Dingensgelöte zurück war, war irgendwas mit ihr. Selber nicht gerade der zwischenmenschliche Überflieger musste Diane also Rat einholen. In gewissen Momenten ist es gut, eine durchgeknallt-geniale Mutter zu haben - die brauchte Megara nur von Weitem anzusehen und wusste, was los war: "OOPSIEBABY! Das ging aber schnell - als Du so weit warst - warst Du schon 130, Du niedlicher Spätzünder!"
"Was genau?" wollte Diane wissen und Messinah grinste: "Na, also bitte - Du erinnerst Dich an Damian Kaiserherbst?"
"Ach, das? Wo ist der überhaupt? Hängt wohl immer noch in Rom ab, oder?"
"Ganz genau! Aber hier liegt es etwas anders - pass´ auf..."

Good Girls go to heaven and the bad ones go everywhere they want. Natürlich klingt das witzig - in normalen Ohren. Für Elaine ist der Himmel ein genau so abstrakter Begriff, wie für jeden anderen Menschen auch. Mr. Carlin wird überrascht sein, daß es nach dem Tod tatsächlich weitergeht - auf die eine oder andere Art und Weise. Da, wo er nun ist, wird er alle sowas von fertigmachen, daß er so schnell wie möglich wiedergeboren wird - soviel ist mal klar.
Aber momentan hat Elaine andere Sorgen. Vor ihr steht Diane. Mitten in der Nacht treffen sie sich auf einem Dach - und Diane Duval, zweitälteste der Solitaire, die Königin der Nacht - hat eine Bitte. An sie, Elaine, den `Rabenengel´.



Und das alles klingt so... irrwitzig, daß es der schwarzhaarigen Vampiress nur ernst sein kann. So steht Diane ein wenig betreten vor ihr und meint leise: "Ich kann nicht so gut mit Leuten umgehen..."
"Und da kommst Du ausgerechnet zu mir." schlussfolgerte Elaine nüchtern: "Natürlich - das ist die erste Wahl."
"Ich kenne keinen anderen!" fluchte Diane.
"Meine Mutter würde alles in´s Chaos stürzen und eine wissenschaftliche Abhandlung darüber verfassen, Enielle ist immer noch sauer auf mich, weil ich aus Versehen ein wenig ihren Bekannten angeknabbert habe..." zählte Diane ihre nicht vorhandenen Möglichkeiten auf und Elaine hob eine Braue: "Ein wenig?"
"Oh, Mann... er lebt ja noch! Und ich wusste nicht mal, daß Enielle ihn kennt... Außerdem fuhr er da voll drauf ab!" rief Diane aus - und Elaine´s andere Braue fuhr hoch: "Oh - ist das so?"
"Ja doch! Habe ihm dann ein Präparat von Mutter untergejubelt - es wächst alles wieder nach!" erzählte Diane weiter.
"Die scheint in dieser Hinsicht ja sehr begabt zu sein." musste Elaine anerkennend zugeben und Diane nickte heftig: "Wenn sie nicht meine Mutter wäre, wäre sie todsicher eine Hexe oder sowas. Aber das ist nichts dagegen, wenn meine Schwester sauer ist!"  
"Solange ich Enielle kenne, war sie nie schlecht gelaunt." entgegnete Elaine.
"Sei froh. Sie selber rührt auch kaum einen Finger - aber um sie herum... passieren Dinge. Gruselige Dinge." flüsterte Diane, als hätte sie Angst, daß Enielle sie hören könnte. Das alles fand Elaine nun doch gelinde gesagt aud groteske Art und Weise unterhaltsam - auch, wenn man ihr das nicht ansah. Eine wirklich unterhaltsame Sippschaft hat sie da kennengelernt - wer braucht schon einen Himmel, wenn er hier so köstlich unterhalten wird?
"Okay, okay - ich helfe Dir. Um was geht es?" wollte Elaine endlich wissen - und wurde heftig von Diane umarmt, hochgehoben und herumgewirbelt: "Vielen Dank - Du bist wirklich meine beste Freundin!"
"Soweit ich weiß - bin ich eigentlich deine einzige `Freundin´." bekam Elaine kaum Luft.
"Versau mir jetzt nicht die tolle Stimmung, ja?" grummelte Diane.

Daytona hat Stacey´s Leben von Grund auf verändert. Das war ein einschneidendes Erlebnis für sie, die sie aus einem alten Industriekaff an den Großen Seen stammte. Hier gab es eigentlich nicht viel zu sehen - es sei denn, man ging abends in die falsche Gegend. Was ist das eigentlich für ein Land, wo man aufpassen muss, daß man nicht hinter´n Busch gezogen und ordentlich durchgelassen wird? Doch dann war da das Festival - es war laut, schrill, bunt, open-air und voller Geheimnisse - und am geheimnisvollsten war ihre ultra-krasse, brandneue und finster-faszinierende, frisch ernannte beste Freundin Megara. Eine Figur wie aus einem modernen Märchen. Mit ihr konnte Stacey über alles reden - und Megara redete auch über alles mit ihr. Nach ein paar Tagen (bzw- Nächten) auf dem riesigen Fest begriff Stacey so langsam, was es mit Megara auf sich hatte - aber das war ihr egal. Denn erstaunlicherweise war es ausgerechnet ein Wesen wie Megara, das sich Zeit nahm, auf Stacey einzugehen - und sich als die verständnisvollste Person entpuppte, der Stacey je begegnet ist. Dieses eisenhaarige Mädchen mit den Augen, deren ruhige Iris wie eine Mischung aus uraltem, türkisem Holz und klarem Eis wirkte, gab ihr Halt, Schutz und paradoxerweise eine enorme Menge an... Nestwärme. Anders kann Stacey dieses Gefühl wohliger Geborgenheit und Sicherheit nicht erklären. Und schließlich stand Stacey wieder vor ihrem Wohnblock - und konnte nur zusehen, wie der Buick aus ihrem Blickfeld verschwand. Und das war nicht nur Abschied - das tat wesentlich mehr weh.

Da unten ging sie. Elaine konnte sie genau erkennen. Sie hatte Stacey schon einige Tage im Blick. Tatsächlich - Diane hatte sie gut beschrieben. Und sie hatte wirklich eine hellgraue Lederjacke an - weil, wie Diane vermutete, sie eine weiße nicht finden konnte. Sie ging die nächtliche, regennasse Straße entlang - Elaine konnte sehen, wie ihr Schatten zwischen den Straßenlampen länger und wieder kürzer wurde. Die Arme vor der Brust verschränkt - nicht, etwa, weil ihr kalt war - sondern, wei sie dieser Gegend mit ihren alten Backsteinbauten und den seitlich angebrachten Feuertreppen nicht traute. Zeit für einen heilsamen Schock...

Stacey wurde ruckartig in die Höhe gerissen - und sie verschwand von der Straße. Irgendwas riss sie einfach in den Nachthimmel - und Stacey sah... eine seltsame Frau mit schwarzer Kleidung, irre langen, hellblonden Haaren und... schwarzen Flügeln. Und wie der Nachtwind an Stacey´s Gesicht vorbeirauschte - wie all die Häuser und Bäume unter ihr dahinrasten... und wie unglaublich tief dunkelblau dieser Himmel war. Ihre Sinne arbeiteten dermaßen auf Hochtouren, so daß sie sogar mitbekam, wie dreidimensional die Sterne im Universum verteilt sind... Stacey hatte keine Ahnung, was vor sich ging - aber sie musste einfach die Arme ausbreiten, während diese Frau sie um die Taille festhielt. Dieses unglaublich massive, überwältigende Gefühl absoluter Freiheit bombte Stacey regelrecht die Tränen aus den Augen und sie bekam kaum noch mit, wie sie zu zweit sanft und leicht wie ein Löwenzahnsamen zu Boden sanken. Mitten auf einer leeren Lichtung im Stadtpark wirbelten einige welke Blätter auf, als diese alterslose Frau Stacey sorgsam und vorsichtig vor sich abstellte.
Auf einer Parkbank wurde Stacey ihrer bebenden Rührung langsam wieder Herr und sie musterte die fremdartige Gestalt.
"Na, haben wir´s dann?" fragte Elaine nach und Stacey sah sie nur an. Und dann sah sie sich um. Elaine verdrehte die Augen: "Ja - wir sind nicht im Wunderland - und ich bin nicht Alice. Und Du schon gleich dreimal nicht."
"Wer... bist Du?" fragte Stacey leise und Elaine antwortete spontan zynisch: "Die mit der Arschkarte."
"Was?" stutzte Stacey und Elaine musste tatsächlich kurz lachen: "Sorry. Du bist die Freundin von Megara, stimmt´s?"
"Öhhm... ja..." antwortete Stacey langsam und Elaine meinte daraufhin: "Dann haben wir was zu besprechen. Du weißt in etwa, was Megara ist, nicht wahr?"
"Ja."
"Und das macht Dir nichts aus?"
"Nö."
"Du hast aber eine ungefähre Vorstellung davon, wozu ein solches Wesen in der Lage ist."
"Ja - ich denke schon. Schimpansen sind sechsmal stärker als Menschen - und Megara ist noch stärker."
"Und nicht bloß das. Ihre Mutter... interessiert sich für Dich. Und die rottet alle Primaten dieser Welt im Vorbeigehen aus, wenn sie will."
Stacey wurde bleich.
"Nur die Ruhe - ich erklär´s Dir. Wie Vampire für Nachwuchs sorgen, ist ja inzwischen fast so was wie Allgemeinbildung, nicht?" fragte Elaine nach und Stacey nickte.
"Okay - aber es gibt verschiedene... Vampirstämme, kann man sagen. Und bei den Solitaire ist es etwas anders. Zuerst muss ein Aspirant eine gewisse Regung bei einem Solitaire erzeugen. Und das hast Du offenbar. Dann wird nachgeprüft, ob und wie Du möglicherweise in die... `Familie´ hineinpasst. Und dann wird beratschlagt, wer denn Dein `Vater´ oder Deine `Mutter´ sein wird."
Stacey sah Elaine fragend an. Die atmete aus: "Gut - Megara wird Dich nicht als `Tochter´ haben wollen. Sondern eher als Gleichgestellte - als Freundin oder Schwester.  Alles klar?"
Stacey sah Elaine an - und die sah wieder zurück: "Komm´ schon - sprich mit mir."
"Du bist kein Vampir?"
"Fein bemerkt."
"Du bist ein Engel - mit SCHWARZEN Flügeln?"
"Wie ich sagte - ich bin die mit der Arschkarte."
"Sollten Engel nicht was gegen Vampire haben?" fragte Stacey vorsichtig nach und Elaine antwortete lakonisch: "Nichts, was auf die Schnelle helfen würde."
Als Stacey sie wieder wie von allen guten Geistern verlassen ansah, hob Elaine abwehrend die Hände: "Ich sehe schon, meine Witze kommen nicht an. Pass´ auf - wenn es unter Menschen nette Kerle und Drecksäcke gibt - warum sollte das bei Vampiren und Engeln nicht auch so sein?"
"Und Du bist die mit der Arschkarte."
Elaine musste grinsen: "Touché. Aber hier habe ich etwas für Dich - von Diane, Megara´s Muter."
Sie drückte der überraschten Stacey eine Art dicken Patronengurt in die Hände - und eine Silberkette mit einem etwa 2 cm durchmessenden kleinen Schädel. Elaine holte aus dem Gurt eine kleine, fast schwarz wirkende Ampulle heraus: "Dieses Zeug macht aus Dir eine... Chrysalide. Du musst wissen, manche Vampirfamilien halten Aspiranten ab und an eine Zeitlang als Ghuls - also eine Art Zwischending aus Vampir und Mensch - oder so. Ghule aber sind umter mentaler Kontrolle. Die Urmutter der Solitaire ist eine hochbegabte Alchimistin - sie hat dieses Zeugs entwickelt. Und das macht aus Dir eine Chrysalide. Du bist Du - nur in reinerer, besserer Form. Ohne Geistkontrolle. Und wenn Du das eine Zeitlang bist - überrasche sie. Verblüffe sie. Und Du wirst sicherlich in ihrer Familie willkommen sein."
"Du... magst diese Leute." stellte Stacey fest.
"Sie sind mit Sicherheit der netteste Haufen, den diese Wesen hervorbringen können. Megara ist voller Power, aber ein liebenswert naiver Trottel. Und Diane ist ein Metzelmonster, das recht schüchtern ist, sonst wäre sie nämlich an meiner Stelle hier. Und hey - einer muss den Job ja machen - warum also nicht ein Engel mit Arschkarte?"
Stacey lächelte - und stutzte dann: "Warum siehst Du mich so an?"
"Hau´ Dir endlich so´ne Ampulle innen Kopp! Ich will sehen, was dann passiert!" grummelte Elaine, während Stacey die Kette und den kleinen, kieferlosen Schädel musterte: "Was hat es damit auf sich?"
"Das ist sozusagen Dein `Pass´. Er besagt, daß Du Diane kennst - und umgekehrt. Und daß wer immer Dich anfasst nur noch drei Sekunden von einem Riesenarschvoll entfernt ist." erklärte Elaine und Stacey konnte nur sprachlos lächelnd den Kopf schütteln. Aber der kleine Schädel war... leicht. Sie betrachtete ihn genauer - die Zähne... wackelten etwas, man sah all die winzigen Knochennähte und man konnte tatsächlich durch das Hinterhauptsloch hindurch an der Schädeldecke eine Urmachermutter sehen, die die Ringschraube hielt, welche die Kettenöse bildete: "Das Ding... ist irgendwie... echt. Das ist gruselig - warum ist der so klein?"
Elaine überlegte kurz - und meinte dann: "Das soll Diane Dir besser mal selber erzählen, denn DAS... ist WIRKLICH gruselig. Aber hey - vielleicht stehst Du dann ja auf sowas?"

Bock darauf, die Musik zu hören, die ich mir für Elaine´s Flug vorstelle? Hans Zimmer´s Science and Religion ab Minute 5:20! Und VOLL AUFDREHEN! Das beamt einen quer durch´s Gehäuse!

https://www.youtube.com/watch?v=RdyeOJTpGlA

Inklusive einer sanften Landung im welken Laub des Stadtparks. Einfach wie-gemacht-für-den-Scheiß!
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BeitragThema: The Fast and the Furious   Sa 27 Sep 2014, 10:07

Eines Abends kam Elaine an Stacey´s Haus voirbei

...was keine Kunst ist - denn dort, wo sich das Haus Solitaire niederließ, war die Siedlungsdichte... nicht dicht und die Grundstücke bekam man hinterhergeworfen. Und damit man beim Werfen mehr Aua machte, hat man da noch Häuser draufgepackt.
Elaine saß neben Fin (die in letzter Zeit sehr gerne bei Stacey aufkreuzte) auf einem Sofa im Untergschoßraum, der eine Mischung aus Küche, Wohnzimmer und Garagenwerkstatt war. Und Stacey baute gerade einen ziemlich übel aussehenden Motor in einen mindestens ebenso übel aussehenden Wagen rein. Elaine konnte sich nicht helfen - der Wagen sah aus, als hätte er eher auf eine Nascarbahn und nicht auf die Straße gehört. Und Elaine konnte sich nicht helfen - Stacey war nicht nur krass - sie war burschikos, was ihr ausgesprochen gut zu Gesichte stand. Nun, das traf es nicht direkt.
Nach alledem, was inzwischen passiert ist - und wie sich Stacey in der Zeit beeindruckend gemausert hatte (sie hätte mit ihrer Erbgutalteration ja auch was Anderes anstellen können) konnte man sagen: Stacey war... ein Panzer.
Die würde so schnell niemand kaputtkriegen - und Elaine konnte Fin ansehen, daß sie darüber mehr als nur froh war.
Nun, warum nicht? Wahrscheinlich war es für Fin ebenso neu und berauschend...
Es ist wie mit Schiffen - vor 200 Jahren war die U.S.S. Constitution State of the Art. In mehrererlei Hinsicht war diese Fregatte, die den Kongress damals so viel kostete wie heute ein Flugzeugträger der Nimitz-Klasse hochmodern. Diagonale Verstrebungen, extradicke Bordwände und die hochdichte und harte Südstaateneiche machten aus dem Schiff die `Ironsides´, von der selbst britische Kanonenkugeln abprallten. Und im Gegensatz zur H.M.S. Victory, die etwa genau so alt ist, ist die U.S.S. Constitution immer noch seetüchtig - und sie wird auch noch gesegelt.
Elaine kann jetzt schon sehen, daß Stacey so etwas wie ein solches Schiff werden wird. Faszinierend.
"Messinah hat Dich den Bugatti fahren lassen? Das... kommt selten vor." fragte Elaine nach.
"Ja - und da dachte ich mir: Zeit, den Flachzangen, die auf der Umgehungsstraße dauernd die Viertelmeiler fahren, mal das Revers abzustecken." nickte Stacey zufrieden, wie sie auf dem Kotflügel ihres Monsters saß und sich eine Coladose aufmachte. Elaine beobachtete sie: "Du musst wirklich alles ausprobieren, hm?"
"Du hast mir gesagt, ich soll euch überraschen." gab Stacey zurück - und grinste: "Und falls Megara und Messinah recht behalten und das Raumzeitalter in absehbarer Zeit beginnt - will ich so ein Ding fliegen. Und wenn es scheißriesig ist - will ich es kommandieren."
"Und Du baust da jetzt genau was?" fragte Elaine nach.



"Ist nach den Plänen eines Typs aus Norwegen entstanden." sah Stacey zu dem mattschwarzen `82er-TransAm. Der Motor sah aus wie ein riesiges VA-Stahl-Kunstherz. Die Motorhaube hatte eine mächtige Ausbeulung erhalten, damit sie überhaupt noch zuging - und die hinteren Radkästen waren ausgeschält worden um wahre Walzen darin unterbringen zu können. Stacey grinste: "Das Teil hat x-wieviel Turbo-und Abgaslader - und kommt somit auf 1407 PS."
"Also nix mehr H-1?"
"Machst Du Witze?" sah Stacey überrascht auf: "Der H-1 ist essentiell! Er ist ein Heim und ein Werkzeug! Er ist nützlich. Aber die Typen mit ihren aufgeblasenen Reiskochern sind nicht nur lästig - die sind mit ihren Spielzeugautos auch noch brandgefährlich! Regelmäßig knallen die irgendwo rein oder fahren wen um!"
"Und Du - und das... hier?" wies Elaine auf den TransAm. Stacey begann zu grinsen: "Das ist Training. Zudem ist es pädagogisch wertvoll, weil ich den Typen damit zeigen werde, wo der Frosch die Locken hat - und es beweist mir, daß ich auch handwerklich was kann."
Dann musterte Stacey Fin - und fragte: "Sag mal - Du siehst so komisch traurig aus. Ist was?"
"Och, nichts..." meinte Fin leicht abwesend...
Elaine sah sich das zierliche, weißhaarige Vampirmädchen auch mal an - und musste aufpassen, nicht laut loszulachen. Das nämlich wäre äußerst untypisch für sie. Aber die momentane Situation war schon skurril genug - warum blieben solche Dinge eigentlich immer an ihr hängen? Ja, Elaine war wirklich der Engel mit der Arschkarte.
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BeitragThema: From Hell   So 28 Sep 2014, 14:11

Dämonen machen Sachen...

...die Menschen niemals tun würden - so geht das Gerücht. Und Engel sind dazu da, aufzuklären, wenn möglich zu verhindern oder gar zu beenden. Elaine erhielt eines Abends eine E-Mail von einem Bekannten ihres Schlages. Beigefügt war ein Link zu einer abenteuerlichen Homepage, die von einer gewissen Pearl handelte, die... ganz dick im `Geschäft´ zu sein schien. Diese Homepage war gespickt von Bildern und Videos eines punkigen Mädchens mit einer wuscheligen Kurzhaarfrisur, die... perlmuttern wirkte. Bis auf die im Nacken rasierten, schwarzbraunen Haare.
`Hm - Pearl wird dann wohl eher sowas wie ein Künstlername sein.´ dachte sich Elaine, als sie sich durch die Bilder klickte. Und die sprachen Bände - das Mädchen mit seinem breiten Grinsen und den ungewöhnlich amethystfarbenen Augen war offenbar ein... Thrillseeker. Da war alles bei: Parkour, Freeclimbing, Skydiving - alles, was dazu geeignet war, einem Normalsterblichen einen Kabelbrand im Herzschrittmacher zu bescheren. Und noch mehr. Unter den Fachbegriffen `Jeansfetish´ und `More Vore´ fand Elaine Dinge, die sie so noch nie sah. Rotwerdend sah sie, daß diese Homepage rege Besucherzahlen zu verzeichnen hatte - und man hatte sogar die Möglichkeit, `Fan-Service´ zu bekommen. Der Vorekram war recht finster und verstörend - aber ihre eigene Quasiherkunft aus der Höhle einer Vielfraßfamilie meldete sich machtvoll zu Wort. Elaine bemerkte - sie war nicht aus Stein. Dies war tatsächlich IHR Körper - und der hatte in seinem Unterbewusstsein ebenfalls einige ungewöhnliche Dinge parat.
Chiffrenummer? Interessant... Elaine kam der Gedanke, daß ihr Bekannter sie hiermit womöglich auf die Probe stellen wollte - mal sehen, was daraus werden würde. Tatsächlich war Elaine seit langer Zeit mal wieder so richtig... neugierig.
So machte sich Elaine eines Abends auf, um sich diese... `Pearl´ mal genauer anzusehen. Zu diesem Behufe nützt es natürlich nichts, in den üblichen Black-OP-Klamotten in dem Nachtclub einzulaufen - also schmiss sie sich wieder in ihre NeoGoth-Garderobe, bestehend aus der kurzen, bordeauxroten Lederjacke, einem Batikshirt und einer schwarzen Lacklycra (mal sehen, was Pearl davon hält) nebst hochschaftigen Schnallenstiefeln. Derart ausstaffiert steckte sie sich noch eine HK P7M13 nebst zwei Reservemagazinen ein, die eine kleine Rückversicherung darstellte.
Der HotLegs-Club - ein Muss für jeden, der es offenbar nötig hatte, befand Elaine. Eine hell erleuchtete Fassade in einer Gegend von Portland/Maine, wo man nachts besser nicht alleine unterwegs sein sollte. Den parkenden Wagen nach zu urteilen fand sich hier trotzdem Klientel aus allen gesellschaftlichen Schichten ein. Sie betrat den Club und sah in der Lokalität erst mal nichts - es war recht schummrig. Hier also sollte sie Pearl treffen. Sie sah sich weiter um und konnte schließlich runde Tische ausmachen, die mehr oder weniger gut besetzt waren - die bestbesetzten waren direkt an einer Art Laufsteg, der in einer runden, etwa 120 cm hohen Plattform endete, von deren Mitte sich eine blankpolierte Stahlstange bis an die Decke erhob. Der Grund für die gutbesuchten Tische war eindeutig eine ansehnliche, schwarzhaarige Frau, die sich abmühte, sich um diese Stange herumzuknoten - so kam es Elaine vor.
Und sie bemerkte Pearl - die sie offenbar schon vorher bemerkt hatte. Pearl hatte sich gekonnt in eine Eckbank hineindekoriert, sichtlich interessiert an der Person, die sie... kennenlernen wollte.



Pearl wäre überrascht zu hören, was sie war - eine Art `Succubus in Auisbildung´. Heutzutage hat die Wissenschaft viele Mittel, sich mit abenteuerlichen und teilweise sehr exotischen Substanzen zu beschäftigen. Manchmal experimentieren die Wissenschaftler sogar mit Materialien herum, von denen sie bei Weitem nicht alle Eigenschaften kennen - so, wie bei Pearl. Das eigenartige Gas, das sie dem Waisenkind im Alter von sechs Jahren in das Schlafzimmer leiteten, war dunkelgrau und eindeutig retrogenetisch aktiv. Man hatte es Tests unterzogen, wie die cabonathaltige Substanz mit starken, elektrischen Entladungen zu konfrontieren (was den Geist des eigentlichen Dämonen aus der Substanz herausbrannte, was aber wiederum keiner bemerkte), das Gas zu komprimieren oder gar in seine Bestandteile aufzusplitten - aber das klappte nicht, weil die Bestandteile offenbar eine in sich geschlossene Einheit bildeten.
Experimente mit nichtsahnenden Menschen haben seit dem Zweiten Weltkrieg in den U.S.A. Tradition - es sind viele bekannt, entweder vom Pentagon, der CIA oder Rüstungsbetrieben mit Absegnungen des Militärs ausgeführt. Chemikalien in U-Bahnsystemen, MK-Ultra, Camp King oder gar das Erforschen unbekannter Potentiale der Hirnkapazität - die Liste war lang. Und Pearl war eine nicht weiter beachtete Fußnote - ein `Fail´, so schien es. Es passierte augenscheinlich über Jahre hinweg nichts Außergewöhnliches mit dem Mädchen.
Bis ihre Pubertät einsetzte.
Und Pearl in ihrer suizidal-sportlichen Art feststellte, was genau ihr am meisten taugte - und sie feststellte, daß das vielen anderen an ihr ebenfalls zu taugen schien. So auch heute abend, als sie ihr weißes, ärmelloses Maui&Sons-T-Shirt trug, das an den Seiten schwarze, zebraähnliche Streifen hatte. Und ihre ebenso knallenge wie knallrote Stretch mit den breiten weißen Seitenstreifen. Ausgefallene Turnschuhe und blauweiße Schweißbänder an den Handgelenken sowie eine G-Shock ließen keinen Zweifel daran, daß dieses flippige Mädchen eine wahre Sportskanone war. Und mehr noch. 
Pearl war eine Granate - und sie wusste das: "Hi, Du! Du bist Elaine?"

Irritiert musterte Elaine das sympathische, niedliche Gesicht ihres Gegenübers, das unter der perlmuttfarbenen Wuschelmähne herauslugte. Elaine setzte sich ebenfalls an den Tisch: "Öhhm... ja. Das bin ich wohl..."
Pearl´s große amethystfarbene Augen maßen Elaine ab und sie lächelte sie mit dem strahlendsten Lächeln an, das sie seit Langem gesehen hatte: "Du bist ja echt der Hammer! Bist Du eine Domina?"
"WAS bitte?!" fragte Elaine konsterniert und Pearl lächelte erleichtert: "Also nicht - okay. Gut, das freut mich. Ich hab´s nicht so mit Schmerzen - mit allen möglichen Körperflüssigkeiten übrigens auch nicht..."
"Das... ist ja sehr schön. Ich bin eher interessiert an Dir als Person - oder so." erklärte Elaine schnell.
"Oh - Du willst mich richtig kennenlernen? So als richtige Freundin? COOL!" sprang Pearl auf und nahm Elaine bei der Hand. Erstaunlich kräftig zog Pearl die überraschte Elaine hinter sich her und sie verließen den Nachtclub - um kurz darauf vor einem in Weinrotmetallic lackierten Facel Vega zu stehen, der wunderbar neu aussah: "Nur rein - wir fahren zu mir, okay?" 
"Mit dem Videoclip- und Fotozeugs scheint echt Kohle zu machen sein." musste Elaine beim Einsteigen anerkennend zugeben und Pearl sah wissend zu ihr rüber: "Das kannst Du aber auch. Kenne viele, die auf Deinen Hintern und Dein Gesicht echt abfahren würden!"
"Echt? Nun... öhhm..." wurde Elaine knallrot und Pearl lachte fröhlich: "Nur keine Scheu - mit mir kann man über alles reden!"
"Das habe ich mir schon gedacht. Was haben die Kerle davon, sich anzusehen, wenn Du Dich in so einer Jeans verbiegst?" fragte Elaine und Pearl überlegte: "Das sind nicht nur Kerle - da sind auch viele Frauen drunter. Hm... möglicherweise ist es die Form. Formen spielen eine große Rolle - hier oben!" klopfte sich Pearl mit ihrer kleinen Faust an den Kopf: "Du musst wissen - Menschen sind evolutionstechnisch was ganz Besonderes - proportional zu unserer Körpermasse besitzen wir das größe sexuell aktive Organ von allen Lebewesen - das Hirn. Vorstellungsvermögen! Siegmund Freud sagte mal: `Alles ist Liebe - und alles ist Sex!´ Und so falsch lag er damit gar nicht. Wenn es Typen gibt, die auf Dampfloks oder Bäume abfahren - oder sogar auf Gebäude... was einige als pervers ansehen, ist für andere normal - und vielleicht sogar turbo-erotisch. Und da ist ein Mädchen in engen Hosen nicht mal das Unnormalste. Praktisch ist, daß ich mich dafür also nicht mal ausziehen muss - das würde ich nicht mögen. Und es ist schon irgendwie aufregend, daß man Leuten mit etwas Fullbody-Aerobickrams soviel Input geben kann, daß sie fast in die Luft fliegen."
"Ach - das geht ganz ohne... Du weißt schon... ?" fragte Elaine nach und Pearl nickte: "Ja - die meisten wollen nur... kuscheln. Oder ihr Gesicht hineintun - hat vielleicht auch was mit Geborgenheit zu tun. Da sind wir schon."
`Irgendwie habe ich das Gefühl, daß ich in letzter Zeit ziemlich viel von `Vorstellungsvermögen´ höre.´ dachte sich Elaine, als sie das flache, hochmodern aussehende Anwesen musterte: "Schickes Gehäuse, muss man schon sagen."  
"Gefällt´s Dir? Warte mal ab, bis Du drin bist!" freute sich Pearl. Drinnen angekommen dominierten helle Farben, große Flächen und klare Linien das gediegene Interieur. Elaine musste an die alte Miami-Vice-Serie denken, in denen oft ähnlich mondäne Wohnungen zu sehen waren. Pearl stellte einfach zwei Flaschen Pfirsicheistee auf den dicken Glastisch und holte ihren Laptop hervor - und gab einige Schlagwörter in die Suchmaschine ein - um Elaine kurz darauf etwas zu zeigen: "Siehst Du? Auf den Jeanskrams stehen dermaßen viele Leute, da gibt´s Unmengen Zeugs von."
Dann grinste sie, als sie auf ein besonderes Foto zeigte: "Da saß ich auf diesem Glastisch hier - und eine Freundin hat mich da drunter geknipst!"
"Faszinierend..." musste Elaine wieder errötend zugeben. Dann fragte sie: "Und dieses Vore-Zeugs?"
"Das..." überlegte Pearl ernsthaft: "...ist etwas wahrscheinlich sehr Altes. Es gibt Fische, die ihren Nachwuchs im Maul spazierentragen. Und auch hier gibt es natürlich das... Kopfkino. Sogar sehr viel davon! Ich beispielsweise habe mal bei einem Hotdog-Wettessen bemerkt, daß ich dafür wahrscheinlich eine Art Begabung habe - ich habe keinen Brechreiz. So kann ich alles Mögliche und auch Unmögliche in mich reinschieben. Das habe ich dann geübt - weil ich es lustig fand."
Auf Elaine´s sprachloses Gesicht musste Pearl erst mal lachen: "Warte nur mal ab, was es DA erst alles für Sachen im Internet gibt!"
Elaine saß da - und hörte genau zu. Einerseits war dieses Mädchen offenbar hochintelligent - andererseits so erfrischend ehrlich und offen - wahrscheinlich war es sogar schlichtweg zu blöd, irgendeinem etwas vorzumachen, was sie nicht war. Normal war Pearl jedenfalls nicht, das konnte Elaine spüren. Sie spürte aber auch, daß Pearl ihr gegenüber nichts verspürte - außer ehrlichem Interesse und erstaunlicherweise wachsender Zuneigung.
Was zum Kuckuck ist mit dieser Pearl los?
Nun, bei einem kurzen Abstecher in das ebenfalls großzügig dimensionierte Bad sprach nichts gegen das Entnehmen einer Haarprobe - sollte Messinah mal sehen, was sie rausbekam. Wie zu erwarten - der Wildfang hielt sich nicht mit Kämmen auf - sie hatte eine stabile Bürste. Ideal.
Irgendwie musste Elaine aber mal etwas loswerden - und flüsterte es Pearl in´s Ohr, als hätte sie Angst, daß irgendwer es hören könnte. Und so stellte Elaine an diesem Abend noch fest, daß sie vielleicht verschieden waren - aber tatsächlich erstaunlich viel gemeinsam hatten. Man konnte mit Pearl tatsächlich über alles reden.
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